Schmetterling - Der Wein zum Buch

In seinem Tagebuch  klagte er über seine essbedingten Beschwerden („vielleicht mittags zu viel Schweinsbraten und Krautsalat gegessen“), ohne seinem unmäßigen Hunger Einhalt gebieten zu können“, schreibt Joachim Heimannsberg in seinem grandios unterhaltsamen Brockhaus-Büchlein „Da staunt der Fachmann…“ über den verfressenen Schöngeist Adalbert Stifter. Als Wein zum Buch gesellt sich der 2006 Riesling „Butterfly“ des Saar-Nobelweingutes Forstmeister Geltz-Zilliken in die Bibliothek.

Ein wunderbar herbstlicher Riesling für die aktuelle Jahreszeit! Dieser „Butterfly“ ist zarter als frühere Jahrgänge des internationalen Kultweins. Delikate Limonentöne zeugen von einer eleganten Säurestruktur. Hinzu kommen Aromen von Aprikose und Basilikum, unterlegt mit der typischen Mineralität der Saarlagen. Vom Schraubverschluss der Flaschen sollte sich niemand abschrecken lassen. Der ist – ebenso wie der Name – für den US-Markt und andere überseeische Märkte gedacht. Dort ist Zillikens „Butterfly“ seit Jahren etabliert.

Stifter ist sich derweil zu Tode. Heimannsberg schreibt: „Bitterlich beschwerte er sich über die verordnete Diät, obwohl diese immerhin aus Rindfleisch, gebackenem Kitz oder Schnitzel mit Sardellensoße bestand. Kurz vor seinem Tode unternahm er noch einen Selbstmordversuch…“ Furchtbares Schicksal! Das nehme ich mir zu Herzen, verzichte auf fette Braten und schreite für den Rest des Tages zu einer Riesling-Diät mit diesem „Butterfly“. Schmetterlinge im Bauch – das zehrt!

Von: Die Welt, von Martin S. Lambeck, 03.11.2007

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